05.11.1914

Das erste Bad an der Front

 
 

“Ich bekam einen gewaltigen Schreck, als ich in den Nähten meiner Hose ganze Kolonnen von Läusen entdeckte.“

 
 

Als frischgebackene Kosakensoldatin würde Marina Yurlova gerne kämpfen. Von ihrem Mentor und Vorgesetzten Kosel bekommt sie einen Säbel, mit dem sie ohne Unterlass das Fechten übt. Doch es sind andere Feinde, mit denen sie sich wenig heldenhaft auseinandersetzen muss.

Die ganze Zeit über hatte ich nicht einmal gebadet. Ich bekam einen gewaltigen Schreck, als ich in den Nähten meiner Hose ganze Kolonnen von Läusen entdeckte. (…) Meine Unterwäsche wimmelte dermaßen, dass ich sie ins Feuer werfen musste, und ich war gezwungen, zu Kosel zu gehen.
Am anderen Morgen brachte er mich (…) zu einer Rotkreuzschwester. Sie sagte, sie könne mir ein Bad bereiten, wenn Kosel Feuer mache für das Badewasser. Das Wasser sah aus wie ein Jauchetümpel, als ich herausstieg. Die Schwester rieb meinen Körper von Kopf bis Fuß mit einem Desinfektionsmittel ab, um die Läuse fernzuhalten. (…) Kosel ließ mir die Haare abschneiden. Ich glaube sicher, dass jeder, der mich nicht kannte, mich für einen echten Jungen hielt.