27.05.1916

Typhusepidemie

 
 
Österreichische Kriegsgefangene vor einer Baracke in einem russischen Lager, circa 1915
Österreichische Kriegsgefangene vor einer Baracke in einem russischen Lager, circa 1915
 
 

Mittelfristig verfügt keiner der kriegführenden Staaten über eine ausreichende Logistik, um die menschliche Beute zu versorgen. Solch gewaltige Armeen von Gefangenen hat es in der Geschichte nie zuvor gegeben. Karl Kasser erleidet eine Odyssee langer Transporte zu immer neuen Lagern. Oft bleibt er dort nur wenige Wochen, bevor es weiter geht.

In Nowonikolajewka wurden wir auswaggoniert und kamen ins Lager. (...) Nach den Schilderungen der anderen Gefangenen waren die Zustände hier wie in den anderen Lagern. Sie hatten im Frühjahr Typhusepidemie, woran viele starben, ganze Baracken gingen elendig zugrunde. Wenn in einer Baracke einige Fälle vorkamen, wurden nicht die Kranken ins Spital gebracht, sondern die Baracke zugesperrt. Die Menage wurde zur Baracke zugestellt. Hinein oder heraus durfte niemand. Wer sich was holen konnte, hatte was und die anderen mussten elendig zugrunde gehen. Damals starb das Lager fast gänzlich aus. Viele sind vor Mattigkeit in den Abort gestürzt und es scherte sich niemand mehr drum. Mussten elendig enden. Waren zu erbarmen die armen Menschen. So verblieben wir auf weiteres im Lager. Das Essen war wie gewöhnlich wenig und schlecht. Das Teewasser musste man sich kaufen. Wer kein Geld hatte, musste es sich erbetteln.